Liebe erst dich und dann andere! oder kannst du beides haben!?

Die Selbstliebe beschreibt die allumfassende Annahme seiner Selbst in Form einer uneingeschränkten Liebe zu sich selbst. Erich From sieht diese als Voraussetzung dafür andere zu Lieben (viele andere bestimmt auch). Der Vollständigkeit halber will ich noch erzählen, was der Duden über die Liebe sagt: „Starkes Gefühl des Hingezogen seins.“ Gut. Das klingt einfach, ist aber sicher auch eine sehr individuelle Sache. Also ganz ehrlich, bei der Vorstellung das ich erst mich lieben muss um dann andere zu lieben dreht sich mir persönlich der Magen um. Vor nicht all zu langer lag ich im Krieg mit mir. Soll ich dann alle Beziehungen beenden? Schauen wir mal zurück. 

Der Mensch wird durch Liebe geboren – Ist das Ende der Menschheit nahe?

Böse Zunge behaupten wir werden durch den romantischen Akt zweier Liebenden in diese Welt geboren. Wir sind also das „Produkt“ aus Liebe. Wir wissen alle, dass dies leider definitiv nicht auf jedes Menschenkind dieser Welt zutrifft. Schade also, für all jene wo das nicht zu trifft? Können diese dann später nicht Lieben? Doch das geht. Der Weg dahin ist aber anders. Länger? Härter? Ich weiß nicht. Aber anders. Jeder weg ist Einzigartig. Es Gibt so viele Möglichkeiten wie es Menschen gibt zur Liebe zu kommen. Oder noch mehr ? – Anderes Thema. 

 Schauen wir uns die Welt da draußen mal genauer an. Jede dritte Ehe in Deutschland wird geschieden. Die Durchschnittsdauer beträgt 14 Jahre. Sehr häufig kriselt es nach der Geburt der Kinder… Mutter und Vater lieben sich nicht immer oder sind bereits vor der Geburt oder danach geschieden. *Schluck* Unsere Kinder werden also nicht alle und nicht durchgängig in einem Becken aus „reiner Liebe“ groß. Nicht immer lieben die Eltern bedingungslos oder die Kinder empfinden es so (das ist kein Vorwurf). Die Mehrheit der Kindheiten ist durch Frustrationen und Kämpfe ebenso belebt wie durch Liebe und Glück. Wir Kinder wachsen also heran, fühlen uns mal mehr mal weniger geliebt, mal mehr mal weniger gemocht.

Aber dennoch sehe ich in der Welt eines was mich sehr beruhigt:

Der Mensch ist fähig zu Lieben

Mehr oder minder sind wir als Menschen also alle in der Lage zu lieben. Diese Liebe mag sich sehr individuell gestalten und jeder empfindet anders. Jeder Mensch fühlt sich aus verschiedenen Gründen und wegen unterschiedlicher Merkmalen zu dem ein oder anderen Menschen hingezogen. Das ist sehr individuell und gut so. Die Vielfalt macht’s. 

Das Streben nach dem “Eins- Sein” 

Von Geburt an bilden wir eine enge Symbiose mit unserer Mutter. Diese löst sich im Laufe der Zeit auf. Aber eine manche Mutter kann bemerken, was auch viele Psychologen feststellen: Für manche Kinder ist die Loslösung sehr schwierig. Wir Menschen scheinen sehr auf das „Eins sein“, „Komplett sein“ fixiert zu sein. Von Geburt an. Später suchen wir dann DEN EINEN oder DIE EINE um uns endlich komplett zu fühlen. Liegt hier der Hund begraben? Auch mich hat früher diese Suche begleitet: „Der muss es sein, dann bin ich komplett. Endlich!“. Fehlanzeige. Hat nicht beim ersten Partner geklappt… Beim zweiten auch nicht. Danach begann ich nachzudenken. Was oder  wen suche ich da eigentlich?

Ist Selbstliebe der Weg zu dir Selbst?

Mir wurde so langsam klar, dass ich mich in jeder Beziehung selbst gesucht habe. Wie ein Kind sich immer wieder an seiner Mutter reibt und spiegelt und ausgleicht, um seine eigene Identität zu finden. Und sucht und immer noch sucht obwohl ich schon längst erwachsen geworden bin… Das war für mich ein erster AHA Moment, ein erstes aufwachen.

Mein Partner kann mich soviel Lieben wie er nur will, es wird mir nicht helfen mich zu sehen und zu lieben. Ich muss selbst hinschauen. “Spieglein, Spieglein an der Wand, wen schaue ich da an?”

Verlieben ist der erste Schritt 

Wie verliebt man sich? In dem man das Gegenüber interessant findet und irgendwie auch unbewusst anziehend. Liebe? Sie entsteht und wird tiefer je näher man sich kommt, je mehr man sich öffnet. Je besser man den anderen kennen lernt desto tiefer werden die empfunden Gefühle. Die Liebe. Also schaue ich hin Tag für Tag. Schaue in den Spiegel und lerne mich kennen und lieben. Von Tag zu Tag mehr. Manchmal aber auch weniger. Wie in jeder Beziehung. Ich selbst bin da keine Ausnahme in meiner Beziehung zu mir.

„Liebe ist das einzige, das wächst indem wir es verschwenden“ (Ricarda Huch).

Zuerst Selbstliebe dann andere? Wirst du immer alleine bleiben?

Nehmen wir nun an, das wir uns erst zu 100 Prozent selbst Lieben müssen bevor wir einen anderen Menschen Lieben können. Aus meiner Sicht, scheitert dieses Konzept. Wir bleiben alleine bis ans Ende unseres Lebens. Der Weg zur Selbstliebe ist ein lebenslanger (ja vielleicht sogar mehrere Leben übergreifende) Prozess. Es ist eine Entscheidung die wir jeden Tag neu treffen (können). Genauso entscheiden wir uns auch jeden Tag (oder eben nicht) unseren Partner*in zu Lieben. Liebe ist. Liebe ist eine Entscheidung. Ich glaube, je mehr wir in das Spüren der Liebe zu uns selbst finden desto mehr und tiefer können wir Liebe gegenüber anderen Empfinden. Wir wachsen daran, verwurzeln uns tiefer in uns und in die Erde. Und in diesem Wachsen und sich entwickeln liegt der wahre Kern. Ich schaue jeden Tag in den Spiegel und ja ganz ehrlich liebe mich mal mehr und mal weniger, an ganz schlechten Tagen hasse ich mich auch mal für Dinge die ich getan oder gesagt habe. Oder mag mich eben nicht so sehr.

Soll ich mich dann direkt von meinem Partner trennen? Mein Kind in ein Heim bringen weil ich mich gerade nicht mag? 

Dieser absolute Gedanke „Liebe dich erst selbst und dann andere“ hat mich vor Jahren sehr erschreckt. Er brachte mich ins Straucheln, ich kam in große Selbstzweifel und hinterfragte wichtige Beziehungen in meinem Leben. Damals stand ich an einem Punkt in meinem Leben, wo ich mich selbst gar nicht mochte, nicht mein Aussehen, nicht mein Gewicht aber auch nicht was ich dachte, wie ich durchs Leben ging…. Hätte ich direkt jede Beziehung beendet, da ich mich gerade mal nicht selbst möchte wäre ich jetzt alleine. Und je nach Verfassung würde ich es immer wieder sein oder dann eben gleich bleiben lassen. Selbstliebe darf wachsen Genau wie Liebe. Liebe darf also wachsen. Die Liebe zu mir selbst, Liebe zu anderen. Stück für Stück. Oder eben nicht wenn manche Wege auch wieder auseinandergehen. Aber dennoch glaube ich, hilft es uns, uns selbst kennen zu lernen, uns immer besser zu verstehen. Das funkeln zu finden und so unsere Liebe zu uns selbst immer tiefer zu empfinden. Sie zu gießen wie eine Pflanze. Hier sollten keine anderen Empfehlungen gelten, wie für eine Beziehung mit einem anderen Menschen.

Gieße dich und wachse und dann freue dich an der wunderschönen Blume die du da bist.

Erzähl mal, wie “gießt” du dich? Und vor allem wie oft? Siehst du hier Bedarf? Hinterlasse gerne hier einen Kommentar. Ich freue mich auf DEINE Meinung. 

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